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Mit Nichten lässt sich
im Dunkln gut munkln und
Braunies backen. Reich?

(c) 4.0
Die alte Frau mit dem plüschigen Hund war gerade am Gehen. Plötzlich baute sich vor ihr ein feister fremder Mann auf. Seinem Haar schien der Blondierung seit mehr als drei Wochen einer Neufärbung zu entweichen. Seine Augenbrauen waren viel zu dunkel eingefärbt.
Er rümpfte seine Nasenflügel. Der Fremde trat noch indiskreter und näher an sie heran und versperrte ihren weiteren Weg. Der metallene Reissverschluss seiner cyanblauen Strickjacke war bis über den Bauchnabel heruntergezogen. Hinter ihm - im Gefolge - stand ein kleinerer Mann in dunkelbrauner Jacke, mit hochggezogenen Schultern, seinen verlegenen Blick mit gesenktem Kopf auf den Boden geheftet.
Der leicht gebräunte Teint des Noch-etwas-Blondierten schien urlaubsfrisch und sein zwischen der Reissverschluss-Schneise hervorspringender Bauch wirkte weihnachtlich prall und drall:
"Ich bin hier der leitende Hausmeister und weise Sie darauf hin: Da dürfen Sie nicht lang." - "....äh...wie...??? Ich bin doch hier drin und gehe gerade wieder...- Ich müsste da schon lang..." - "Na und. Da dürfen Sie jedenfalls nicht lang. Da is' 'n Schild angebracht. 'Hunde verboten' . Vor dem Flur. Also dürfen Sie da nicht lang. Ich bin hier der Hausmeister."
"...äh...- Ja. Gut, äh...wie genau soll das jetzt gehen...?-...fliegen geht ja schlecht... und: Soll der Zugang zum Café exklusiv und ganz und gar verhindert sein? - Eigentlich sind in dem Café doch Hunde gestattet." - "Das Schild steht draußen vor dem Flur. Und sie haben den Flur betreten. Das dürfen Sie nicht. Also verlassen Sie das Haus. Ich bin hier der Hausmeister." - "Ähm: Ich bin doch in der Gaststätte." "Das ist mir doch egal. Hier dürfen Sie jedenfalls nicht lang."

Kurz darauf verließ sie die Räumlichkeiten durch eine Nebentür der Gastronomie.

Um sie herum glitzerten weite frostige Schneeflächen der unzureichend gepflegten Wege. Sie gingen zögerlich und anfangs irritiert an den großen Glasflächen des Cafés entlang. Drinnen saßen Menschen in Gesprächen über ihren Kuchenstückchen, Tee-und Kaffetassen. Vor dem kaum gesäuberten Haupteingang hielt es sie kurz. Sie gab dem ihr urplötzlich aufkeimenden Drang nach, schenkelklopfend und kopfschüttelnd laut aufzulachen. Dem Himmel warf sie - gleichfalls grinsend, eine global bekannte Geste grundsätzlicher Verachtung für den sie umgebenden vernachlässigten, vereisten und frostigen Boden entgegen.

Als sie die digitale Infostele, direkt neben der komplett vereisten Steintreppe des modernen institutionellen Treffpunkts für alle Generationen, erreichte, flackerte das aktuelle Bildungsangebot vor dem aufziehenden Abenddunkel. U. a. stand "Intercultural Competence for Everyday Life". - "Hm... vielleicht ist das ja eine hervorragende Möglichkeit zur Nachschulung für Betriebsangehörige? Liegt ja nahe, am Arbeitsplatz...". murmelte sie, schmunzelte und ging seufzend mit ihrem kleinen Wegbegleiter weiter.

Aus der Ferne hörte sie ein lautes Rufen "Coo- Coo - Coo!". Der Hund blieb stehen und horchte auf. Sie hielt inne, drehte sich um: "Bleib. -...ist nicht für Dich." Die Alte sah sich um. In der Ferne, vor der Eingangstür des öffentlichen Gemeinschaftshauses stand der Hausmeister höhnend mit seinem Begleiter. "Coo - Coo - Coo!" johlte er nochmals. Sie blickte ihren Hund an, ihr Hund blickte sie an. Sie schüttelte den Kopf. "Nein. Stopp. -...nicht für Dich." Der feine Hund blieb cool und gab - wie zuvor - nichts, keinen Laut, von sich. Das "Frauchen" (wie albern diese Formulierung nachhalte) dankte es und sie nahmen einvernehmlich schweigend ihren Weg nach Hause auf.

Sie fütterte ihr Tierchen.

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