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Mit Nichten lässt sich
im Dunkln gut munkln und
Braunies backen. Reich?

(c) 4.0
Die alte Frau mit dem plüschigen Hund war gerade am Gehen. Plötzlich baute sich vor ihr ein feister fremder Mann auf. Seinem Haar schien der Blondierung seit mehr als drei Wochen einer Neufärbung zu entweichen. Seine Augenbrauen waren viel zu dunkel eingefärbt.
Er rümpfte seine Nasenflügel. Der Fremde trat noch indiskreter und näher an sie heran und versperrte ihren weiteren Weg. Der metallene Reissverschluss seiner cyanblauen Strickjacke war bis über den Bauchnabel heruntergezogen. Hinter ihm - im Gefolge - stand ein kleinerer Mann in dunkelbrauner Jacke, mit hochggezogenen Schultern, seinen verlegenen Blick mit gesenktem Kopf auf den Boden geheftet.
Der leicht gebräunte Teint des Noch-etwas-Blondierten schien urlaubsfrisch und sein zwischen der Reissverschluss-Schneise hervorspringender Bauch wirkte weihnachtlich prall und drall:
"Ich bin hier der leitende Hausmeister und weise Sie darauf hin: Da dürfen Sie nicht lang." - "....äh...wie...??? Ich bin doch hier drin und gehe gerade wieder...- Ich müsste da schon lang..." - "Na und. Da dürfen Sie jedenfalls nicht lang. Da is' 'n Schild angebracht. 'Hunde verboten' . Vor dem Flur. Also dürfen Sie da nicht lang. Ich bin hier der Hausmeister."
"...äh...- Ja. Gut, äh...wie genau soll das jetzt gehen...?-...fliegen geht ja schlecht... und: Soll der Zugang zum Café exklusiv und ganz und gar verhindert sein? - Eigentlich sind in dem Café doch Hunde gestattet." - "Das Schild steht draußen vor dem Flur. Und sie haben den Flur betreten. Das dürfen Sie nicht. Also verlassen Sie das Haus. Ich bin hier der Hausmeister." - "Ähm: Ich bin doch in der Gaststätte." "Das ist mir doch egal. Hier dürfen Sie jedenfalls nicht lang."

Kurz darauf verließ sie die Räumlichkeiten durch eine Nebentür der Gastronomie.

Um sie herum glitzerten weite frostige Schneeflächen der unzureichend gepflegten Wege. Sie gingen zögerlich und anfangs irritiert an den großen Glasflächen des Cafés entlang. Drinnen saßen Menschen in Gesprächen über ihren Kuchenstückchen, Tee-und Kaffetassen. Vor dem kaum gesäuberten Haupteingang hielt es sie kurz. Sie gab dem ihr urplötzlich aufkeimenden Drang nach, schenkelklopfend und kopfschüttelnd laut aufzulachen. Dem Himmel warf sie - gleichfalls grinsend, eine global bekannte Geste grundsätzlicher Verachtung für den sie umgebenden vernachlässigten, vereisten und frostigen Boden entgegen.

Als sie die digitale Infostele, direkt neben der komplett vereisten Steintreppe des modernen institutionellen Treffpunkts für alle Generationen, erreichte, flackerte das aktuelle Bildungsangebot vor dem aufziehenden Abenddunkel. U. a. stand "Intercultural Competence for Everyday Life". - "Hm... vielleicht ist das ja eine hervorragende Möglichkeit zur Nachschulung für Betriebsangehörige? Liegt ja nahe, am Arbeitsplatz...". murmelte sie, schmunzelte und ging seufzend mit ihrem kleinen Wegbegleiter weiter.

Aus der Ferne hörte sie ein lautes Rufen "Coo- Coo - Coo!". Der Hund blieb stehen und horchte auf. Sie hielt inne, drehte sich um: "Bleib. -...ist nicht für Dich." Die Alte sah sich um. In der Ferne, vor der Eingangstür des öffentlichen Gemeinschaftshauses stand der Hausmeister höhnend mit seinem Begleiter. "Coo - Coo - Coo!" johlte er nochmals. Sie blickte ihren Hund an, ihr Hund blickte sie an. Sie schüttelte den Kopf. "Nein. Stopp. -...nicht für Dich." Der feine Hund blieb cool und gab - wie zuvor - nichts, keinen Laut, von sich. Das "Frauchen" (wie albern diese Formulierung nachhalte) dankte es und sie nahmen einvernehmlich schweigend ihren Weg nach Hause auf.

Sie fütterte ihr Tierchen.

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Anfang der 70er Jahre im 20. Jahrhundert gab es einen rundlichen Grundschuldlehrer, der anfing Märchen in der ersten Klasse vorzulesen anstatt Alphabet und Grundrechenarten einzuführen. Es war die Methode seiner Wahl, um zu überstehende Katerstunden möglichst sanft zu überbrücken und wenigstens bis zum Mittagstisch durchzuhalten und den Kindern auf neuerdingst, pädagogisch validierten Wegen dem intellektuellen Niveau der Geringsten - den jüngsten der Dorfsippschaft und den zugezogenen Flüchtlingskindern - gerecht zu werden. "zu-zu-zu" - Mitsu - Mitsu - Mitsu - Bishi. - Kein Haiku. - Ts! ...phhh... shhh*tT!

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Eine Großmutter betrieb einen von drei Dorfgasthöfen. Dort kehrte ein Pädagoge täglich stillschweigend ein. Er war ein einsamer Dauergast. Sein Platz war stets propper eingedeckt, nahe des Ein-/Ausgangs. Dort saß er an einem Vierertisch, nahe der Zimmerpflanzen, direkt am Fenster, etwas abseits im Gastraum und dicht an der Garderobe.
Er aß still sein Mittagsgericht, trank sein Bierchen, schloß stets mit einem Kurzen ab...--... den Stammtisch mit dem Dorfpolizsten, Tischler und den Bauern in der Mitte des Raumes (kürzester Weg zur Theke) mit triefenden Augen, kühl im Blick. Das kleine, schwere Kömglas setzte er dann zackig mit markant-dumpfem "Klack" zurück auf die tischbetuchte Vollholzplatte. Hörbar sog er, fast zischend, frische Luft nach dem eiskalten Schluck zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen "chhhhhhhHHH" ein. Sein Atmungsapparat füllte sich zum Platzen mit sich verflüchtigenden - ebenso wie der Sound und sein Selbst...-...dem sich verflüchtigenden Ethanol. Danach entwich ihm ein erlösendes, gutturales "HAahhhh..." aus seinem halbgeöffenten Mund.

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Zum Einkaufen ging ein junger Mann mit den rotgeäderten Wangen, ölig-platt zurückgekämmten Haar, im jahreszeitgerechten, blaugrauen Mäntelchen, abwechselnd in einen der vier ansässigen Dorfläden. Mal hier, mal dort erstand er seine Flüssignahrung. Das Echo des vollen Einkaufsbeutels klirrte auf dem Nachhauseweg durch den Bahntunnel unangenehm laut in seinen Ohren.

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Das neueste dieser Geschäfte befand sich direkt gegenüber des uralten, kleinsten Dorflädchens. Zugezogene hatten den Kaufmannsladen gleich nach Ende des zweiten Weltkrieges an der dörflichen Hauptstraße zum Bahnhof hin eröffnet. Es wurden nie Geschichten über den Mann in der Familie laut, nur geflüstert: "[...] Kriegsflüchtlinge [...] als die Russen kamen,... sie ohne ihn [...] übers Haff, nach Deutschland geschafft [...] man weiss ja nichts [...] sie kümmern sich um's Dorf [...] gut daß sie hier sind [...]". --

Die Ladeneignerin, Mutter und eventuelle Witwe, hatte einen Sohn nahezu gleichen Alters wie der neue Dorfschullehrer. Beide jungen Männer war ähnlich schwabbelig-rund um den Bauch herum. Einzig, der Kaufmann war weisslich-fahl im Gesicht und auch sonst. Er, Vater von sechs Söhnen, war emsig und ständig in Bewegung. Er schleppte oft und viel und trug die gleiche Frisur wie sein sporadischer Käufer: zack - zack...--- glänzend zurückgekämmt, sehr straff, sehr ordentlich, sehr viel Pommade. Propper saß die schwarzbraune Glatthaarfrisur. Manchmal, bei heftigen Bewegungen, wie z. B. Gemüsekisten umpacken, fiel ein gerades, zartes Strähnchen mitten auf die Stirn. Sorgsam strich er zügig das Strähnchen mit dem kurzen feingezinkten Kamm bezaubernd lächelnd zurück. Diesen zog er -- im Falle eines Falles-- flugs aus seiner Brustasche des stets blütenweißen Ladenkittels hervor. - ...wie herabgestiegen vom Olymp stand er dann da, für den Bruchteil einer Sekunde, im nachmittäglichen Winterweiß. Frostlicht.

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Sehr früh begann der ambitionierte Kaufmann des Dorfladens mit dem Aufbau und der Pflege seiner, von ihm so-genannten, "zukünftigen Kundschaft".

Zur Core-Target-/Kern-Zielgruppe hatte er die "jüngsten der Jüngsten" erwählt. Kinder im Vorschul-Alter oder gerade eingeschult in die Grundschule oder Fremdversorgte aus dem Kindergarten. Diese kamen täglich im mütterlichen Auftrag, Milch, Brot, Butter oder Käse zu holen. Kontinuierlich verabschiedete er die süßen kleinen Fratzen mit seinem ziegenmeckernd gelachten, hauseigens erdachten Spruch:"...und jetzt: Ab nachhause! Füße waschen und zu Bett - Eeh-Eeh-Eeh- Eeh!".


Zuvor reichte er oft (keinesfalls immer!) - einen (1) Kirschlolli zu zwei (2) Pfennig oder einen (1) Dauerlutscher zu einem (1) Pfennig. - Die Farbauswahl (hellrosa,/-gelb/-blau/weiß) überließ er dem jungen Gemüse selbst, als bindungsgstärkende Standard-Aufgabe. Die Kids dachten dann un-/gebunden hin- und her und fühlten sich wohl bedacht, sicher, beachtet und beglückt.

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Der jüngste der vier Kaufmannssöhne war ein zerbrechliches Kerlchen mit Segelohren, Zahnlücke, rotblondem Haar, klitzekleinen Augen und farblosen Wimpern. -- Zusammen ging er mit der grobknochig und hoch gewachsenen, jüngsten Nachfahrin einer alteingesessenen, agrarwirtschaftlich etablierten Großfamilie in ein- und dieselbe Grundschuldklasse. In ebenjener Klassengemeinschaft lauschten sie, wie Pat und Patterchon, Tag für Tag, der nächsten Fortsetzung. Nachmittags spazierten sie Hand in Hand nach Haus. - Es der Umstand, dass jeder Tag für diese Klassenkamerad*innen (sic!)ohne Hausaufgaben endete. "Nicht denken müssen. Welch ein Luxus!". Das war es, was die anderen Dorfrabauken neideten.


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Die Mütter der übersichtlichen Dorfgemeinschaft standen an Gartenmauern, Zäunen oder Ecken vor dem einen oder anderen Haus. In diversen Klönschnacks beklagten sie sich über die sehr laxen Unterrichtsmethoden des, aus der Stadt angereisten Herrn Lehrer's.

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Eine der Erziehungsberechtigten beklagte die enorme Rechtschreibschwäche ihrer Kleinen. Diese bringe fortwährend dramatisch schlechte Noten nach jedem Diktat zum Gegenzeichnen mit. - "Meine Tochter hat Legasthenie - ...hat er gesagt...". Trotzdessen schwang Stolz mit, als sie das Fremdwort als erste im Kreis aussprach. Allerdings und nach einigem Hin und Her fabrizierte die mütterliche Gruppe eine gemeinschaftlich abgesegnete General-Schuldzuweisung, die klar zu Ungunsten des Grundschullehrers ausfiel. Von wegen! Das Kind in Verruf bringen - ...obwohl...-... vielleicht hatte er ja doch recht und es war nur eine Krankheit mit Namen Legasthenie. Schließlich war auch die Mutter eine Zugereiste. Und vielleicht...- Die Frauen gingen wieder auseinander.

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Irgendwann bekam eines dieser Kinder eine Gehirnhautentzündung und wurde in das Krankenhaus in der naheliegenden Kreisstadt gebracht. "Mein Kind hat eine Meningitis. -- das ist eine Gehirnhautentzündung." ergänzte sie in mehr gewichtigem als besorgten Ton. Für die Geschwister hieß es fortan: "Tut was sie sagt. Sie ist schwer krank".

Das Kind, im zarten Alter von 6 Jahren erkrankt, nahm jede Möglichkeit wahr, den Freibrief zur Tyrannei zu nutzen. Sechs Wochen lag sie an zentraler Stelle im Wohnzimmer auf dem Sofa. Später saß sie befehligend im Sessel, vor dem Fernseher. Noch später, im Erwachsenenalter, wenn sie nur noch sporadisch anreiste, trampelte sie laut fluchend im Haus umher und forderte stetig irgendwas von irgendwem in dreisten Tonlagen.

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Es war eine große "Kleine" mit wilder Lockenpracht, die aussah aus wie der Direkt-Import eines in China gefertigten Plastik-Gold-Putten-Plagiats einer bayrischen Altar-Statue: Dickes, rundes, lachendes Engelchen mit feisten Pausbäckchen und drolliger Mähne. Zusammen mit ihrem älteren Burder stürmte die 8-jährige zurück in das ungeheizte Kinderzimmer. Zwei Turnbeutel wurden auf das Bett geschleudert -- ihrer rot, seiner blau -- beide prall gefüllt. Die Gören lachten. Vor dem, von Frostblumen vereisten Fenster schüttelten beide das Diebesgut ihres gemeinsamen Raubzuges aus: Dauerlutscher, Kirschlollies, Kinderschokolade, Kaugummi-mit und Kaugimmi ohne Tatoo-Bildchen, bunte Zuckerketten auf Gummibändern, Kekse.

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Stolz und selbstbewußt zeigten sie ihre Beute der entsetzten Schwester und boten Teile davon zum Kauf an. "...wir sind billiger als Onkel Lolli...". Die zwei Mini-Gangster begannen lauthals im losbrechenden Entsetzen ihre Schwester auszulachen "...das dürft ihr nicht!--... das ist doch Diebstahl!!". Die herbeieilende Mutter näselte im hochgepitchten Ton "Was streitet ihr schon wieder?" und setzte den aufgebracht empörten Vorwürfen der älteren Tochter hüstelnd ein rasches Ende: "Du bist die Älteste, sei gefälligst vernünftig und ärgere die Kleinen nicht."

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ein halbes Jahrhundert später, fiel ein in Plastik eingeschlagenes Buch in die faltigen Hände einer alten Frau. Es befand sich ein handschriftlicher Eintrag auf der roten Innenseite dieses Buches. In dicken, seltsam kurvigen Lettern, sämtliche Freifläche einnehmend, stand da geschrieben:

"Liebe Mutti,
nicht nur für "Söhne"
trifft der Autor den "Nagel auf den Kopf".

Ich hab Dich lieb und
bin mir sehr bewußt,
was Du alles für mich
getan (und was Du für mich
tu'st) hast.
Frohe Weihnachten, Leila

Weihnachten, 2013

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2003. Eine platinblond gefärbte Frau höheren Alters nahm eine Arbeitsstelle in jenen, von ihrer Mutti so genannten, 'bessere Kreise', in Thüringen an. "Endlich ist sie da, wo sie hingehört." - Auch der führerscheinlose Vater gab sich mit den wirtschaftlichen Errungenschaften seiner, sonst eher im Modus des Bedauerns erwähnten und mit Besorgnis behüteten, Tochter offensichtlich sehr erfreut: "Sie fährt so ein großes Auto, wo die Straßenkarte beim Fahren an der Windschutzscheibe angezeigt wird. Sie hat mich mitgenommen. Das war richtig toll!!!".


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Die mürrische Große, im Laufe der Jahre auf Anraten ihrer Friseuse Plastikblond-Gefärbte mit der wilden Mähne, hatte zuvor, im Laufe der Zeit, irgendwann angefangen Tischlern zu lernen, dann jedoch umgesattelt auf eine Umschulung zur Haushälterin.
Als solche fand sie zügig eine Anstellung. So zog sie hin in das Herkunftsland einer rechtlich geschützten Jahrmarkt-Bratwurstmarke . "So richtig wichtig,wichtig Reiche, die was zu sagen haben..." - die Mutter platzte fast vor Stolz. Sie konnte es kaum fassen : "Meine Tochter!!! Endlich! -- Bei richtig - richtig Wichtigen aus Politik und höchsten Gesellschaftskreisen!"

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Im Laufe der Jahre vielfältigen Anschluss-Arbeitsverhältnisse in sämtlichen Bundesländern der Republik. Stets schloss die Große mit Empfehlung der vorherigen Arbeitgeber neue Arbeitsverträge in weiteren Organisationen und Einrichtungen ab. Es waren die privatisierten Kreiskrankenhäuser, Senioren- und Sozialstationen, Kindergärten für Körper-und geistig behinderte Kinder sowie einige Veranstaltungsorte von etablierten, mit Europageldern finanzierten Schlössern und Gutshäusern. (Ansehnliche Güter, die im Laufe der Jahrhunderte kaum mehr mit privaten oder Standes-Mitteln zu halten waren). Sämtliche Unternehmen bildeten die Schnittstellen für gutsituierte Anschluss-Kundschaften.



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Im Zuge von beruflichen Entwicklungen gab die weitreisende und etablierte Haushälterin Ihre unehelich geborene Tochter, als zu betreuendes Enkel in die sorgenden Hände ihrer kranken Mutter. Diese stets sich mit Ächzen und Stöhnen Fortbewegende setzte alle Hebel ihrer begrenzten Welt in Bewegung um auch diesem Wonneproppen vollends zu beglücken. - Glück in ihrem SInne war, Katzengold im TV-Shop zu günstigen Preisen zu erstehen und sich schadlos an der ehemännlichen Erbschaft zu halten. Diese, nunmehr durch die Karriere ihrer letzten Tochten sich als bewährend zeigende pädagogische Kompetenz, setzte sie also hemmunglos ein: Sie führte das unehliche Kind, dass ihren Vater nie zu Gesicht bekommen hatte, liebevoll in die Welt des Betrügens, Ausweichens, Verleugnens, Stehlens und Manipulationen zu Lasten anderer ein - kurz : in die Welt der Tyrannei.

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Ein Ehemann, Vater und Großvater verstummte zunehmend. Er wurde dicker und dicker. Ab und an stolperte "seine eigenen Füße". Dann kam er für ein paar Wochen ins Krankenhaus. Dorthin, wo seine "mittlere" ihn besuchen konnte und fremde Schwestern ihn anfangs freundlich pflegten.

So lange bis ihn seine im Angetraute - im Schlepptau ihre (vorgeblich) einzige Enkelin - besuchte.

Zuhause zurück wurden dem kurzzeitig Genesenden dann lautstark lontinuierlich täglich seine Alkoholsucht, sein ihm zerronnenes Erbe, seine zerrüttete berufliche Karriere, seine seelische Unsicherheiten, seine Charakterschwächen und minore Verhaltensfehler wieder gnadenlos vorgeworfen.

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Ein Enkelkind schloss ihr G8-Abitur im, vonseiten der Großmutter und des mütterlichen, schwerreichen Arbeitgebers finanzierten, Elite-Internat mit Auszeichnung stillwissend und propper lschweigsam ächelnd ab.
Dann flog das kluge Kind in einen arrangierten Austausch gen Venezuela.
Nach Rückkehr 6-monatigen Auslandsaufenthalt-Aufenthalt im einschlägig bekannten, lukrativen Wirtschaftsraum, nahm die, vom beruflichen Netzwerk der Mutter gesponserte junge Frau, ihr Studium auf. Das Berufsziel lautete "Fachanwältin Erbrecht, Schwerpunkt Immobilienrecht".

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Während der Semesterferien lernte eine Studierende via Studenten-Werkvertrag im thüringischen Orbit effizient strukturiert und praxisorientiert sächseln. Intrinsisch manipulativ orientiert lernte die, neuerdings norddeutsch bis friesisch blond colorierte, junge Frau, juristisch akurat, effektiv und ordentlich, Passiva-Aktiva-Kontroll-Modi einzusetzen und Immobilienprojekte in eisklare und abgekartete Profitinteresse ein- und potentielle Emotionen unterzuordnen.

Die ältere Frau sah eine verzweifelte junge Frau den Berg zum Krankenhaus hochrennen. Sie rief ihren Namen. Die Rennende drehte sich nicht um. Sie rannte. Die Großmutter überlebte den Schlalganfall. Geschäftstüchtig und obedient übernahm die Jura-Studentin die zukunftsdienlichen Korrespondenzen der groß- und mütterlichen Leitfiguren.

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2018 - etwas mehr als dreieinhalb Jahre vor seinem Versterben, rief ein Ehemann, Vater und Großvater, mit unterdrückter Rufnummer und zermürbter Stimme eines seiner Kinder an: "Du...-...komm' bitte nicht mehr hierher...-. Die... - ...die -- . -- wollen das nicht."

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2021 Frühling, erhielt ein rücksichtslos zurückgelassener Mann (ein Verzweifelnder, Wortgläubiger, Seelentreuer) einen spröden, im Juristendeutsch verfassten Brief von der Staatsanwaltschaft seines Heimatbezirks "Das Betrugsverfahren gegen Sie ist eingestellt", hieß es darin.

Zwei Monate zuvor, hatte der Postbote an der Haustür des so Beschämten geklingelt und die Unterschrift für ein Einschreiben vonseiten seiner Jüngsten eingefordert.

Fritz!
Ich komme am 19.01.2021, 14:00 Uhr, und hole die restlichen persönlichen Gegenstände meiner Mutter aus ihrem Wohnsitz ab.

L.

Das "L" war - wie auf der Rückseite des Briefumschlags mit Kugelschreiber dahingeklirrt, wie der fast verschwindende billig-blasse-Tintenpunkt.
Der sein dem 21. Dezember des Vorjahres verlassene Achtzigjährige blickte mit zittrigen Händen wieder und wieder auf den Briefumschlag. Er drehte das Couvert um. Mit dominant dahingeklirrten, großen blauen Kugelschreiber-Druckbuchstaben stand dort der Anfangsbuchstabe seines jüngsten Kindes, sein Familienname, ein fremder Straßenname, eine ihm unbekannte Postleitzahl und doch derselbe Ort, in dem seine Ehefrau seit des letzten, ausgespielten Tricks in seiner jahrelang währenden Tortur, dieser grausamen Inzinierung, diese ...Spiels...? --... Es war kein "Spiel"... es war Terror...- ...er faltete das unordentlich zusammengeknickte billige Blatt Papier zurück in dessen forcierte Form, nachdem er diese knappen Zeilen, karge, in seltsamen und fehlerlos verfassten ausgedruckte Zeilen, gelesen hatte. Er klebt sorgsam die adhesiven Flächen wieder aufeinander, drehte den Umschlag zurück. Durch das Transparenzfensterchen sah seinen Namen, seine Wohnanschrift, verschwimmendvor seinen Augen.

(c) 13.8
Ihr stockte der Atem. Über der Anschrift stand in 5 pt. Größe - feinsäuberlich und unterstrichen - wie ebenso oben rechts gedruckte und auch außen auch auf dem Umschlag in Handschrift, eine Adresse!

Die Datumszeile nannte der Name einer Kleinstadt, nach dem Komma die Zeichenfolge "14.01.2021". - Fünf Tage... geschrieben, abgeschickt, ....- vielleicht drei Tage, die er vor seinem Stoffhasen auf dem Esstisch gesessen haben mag und mit trockenden Tränen wieder und wieder auf diesen Brief geguckt haben wird. Ihr Herz stockte. Ihr Magen rebellierte. Sie rannte um das Badezimmer rechtzeitig zu erreichen.

"...Legasthenie...?"- ging es rund ein Jahr später der Finderin dieses tonlosen und dennoch laut schreienden Relikts unverhohlener emotionalen Stumpfsinns durch den Kopf. - Ein fauliger Geruch nach halb verdauten Essensresten stieg auf, aus dem Nichts.

"Mikrobiom..." holperte der nächste Begriff durch ihren Kopf, "...Makroorganismuus...kaputt...Gehirn...- Denken...-...kaputtt....Erziehungsschrott...Sargnagel...Hass, Abwertung, denial, terrorisieren, Lüge-Lüge-Lüge...erfrieren...am-ausgestreckten Arm verhungern-lassen. Scapegoating...Narcs...Mutter:Tochter-Schwester-Tochter-Schwester?-Schwesterstochter...Schwester.Tochter. Tyranninnen. Drei Generationen Hass, Manipulation, frostig lächelnd. Verlogen. Manipulation." Der kontinuierlich dabei aufsteigende Geruch wurde unerträglich, stank. Thank You. But No Thank you. Sie warf die Tür ins Schloss und ging an die frische Luft, spie die Übelkeit in die Tonne und ging.

(c) 13.4

August 2021. Die Tür zum Krankenzimmer knarrte ein wenig, "..darf ich reinkommen...??" zögernd blickte sie ins Zimmer auf ein abgemagertes Skelett. --- die Augen weit aufgerissen, das Hellblau blickte angstzverzerrt: "Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert." brach es aus ihm heraus. "Stop!" entfuhr es ihr gestochen scharf. Einen Herzschlag lang setzten alle Bewegungen aus. Horrifying. Sie zitterterte, ging bis ans Bett, und flüsterte sehr sehr sanft und tausendfach entschiedener, leise doch hörbar:"Stop. Das ist nicht wahr. Du -- bist -- es -- wert. Wir sind es wert. Darf ich bei Dir bleiben und mich um Dich kümmern?" -"Ja. --...willst du das?" "Ja."